 |
 |
 |
 |
|
V i o l i n B a s s (Gitarre & Bass 02/2002, Dirk Groll)
|
 |




|
Der Violin Bass, im Höfner-Original schon längst »Beatle-Bass« genannt, ist ein Klassiker, was er vor allem Paul
McCartney zu verdanken hat. Duesenberg hat die Nachfrage erkannt und baut ein eigenes Modell mit der markanten Violinform.
Und der Duesenberg kommt nicht nur auf den ersten Blick edel rüber, sondern auch auf den zweiten und den dritten. Ursprünglich
landete das Höfner-Modell 500/1 ja in Pauls Händen, weil es zu Anfang der Sechziger billig zu haben war und - in diesem Fall
nicht unwichtig - weil die symmetrische Violinform auch die linkshändige Benutzung ohne große Umstände möglich machte.
Beim Duesenberg handelt es sich nicht um eine exakte Nachbildung des ursprünglich preisgünstigen Höfner-Modells, sondern um
eine wertig und stilvoll gebaute Version mit diversen Modernisierungen.
k o n s t r u k t i o n
Der Korpus ist hohl gebaut und besitzt keinen durchgehenden Sustain-Block aus Massivholz. Nur unter dem Steg verbindet zur
Stabilisierung ein kleinerer Korina-Holzklotz Decke und Boden. Für die Decke kommt Sperrholz mit einem Deckbelag aus Fichte
zum Einsatz, beim zweiteiligen Boden wurde für das Deckholz ausgesprochen schön geflammter Ahorn ausgewählt. Boden und Decke
sind gewölbt, alle Korpuskanten werden von cremefarbenen Bindings umschlossen.
Mit einer Mensur von 768 mm gehört der Violin Bass zur Gruppe der Shortscale-Bässe. Sein Hals ist mit dem Hohlkorpus verleimt
und unter der mahagonibraunen Lackierung verbirgt sich Ahornholz. Im hell eingefassten Palisander-Griffbrett sitzen 22
Jumbo-Bundstäbchen und ein Nullbund.
Ganz offensichtlich ist man bei Duesenberg auf hochwertigste Verarbeitungsqualität aus, unser Violin Bass ist tadellos sauber
gebaut. Von besonderer Güte ist auch die spiegelglatte Hochglanzlackierung, wobei die letzte Klarlackschicht gelblich eingefärbt
wurde, um dem schönen Instrument einen Antik-Touch zu verleihen.
m e c h a n i k e n
Zwar sind auf der abgewinkelten Kopfplatte moderne, gekapselte Kluson-Stimm-Mechaniken montiert. Damit sich die feingängigen
Präzisions-Tuner aber harmonisch ins Bild fügen, wurden sie mit perlmuttartigen Flügeln aus Kunststoff bestückt. Eine weitere
Modernisierung findet sich in der aufwendigen Ausführung der metallenen Brücke. Die Höhe der Saitenlage ist hier an drei
Imbus-Standschrauben einstellbar, und neben der individuell für jede Saite justierbaren Oktavreinheit lassen sich an den
Rollen-Saitenreitern auch die Saitenabstände variieren.
Die verwendeten Göldo-Gurthalter sind sowohl mit normalen Gurten wie auch mit arretierbaren Gurt-Gegenstücken (Schallerkompatibel)
benutzbar, wobei letzteres bei einer Korpusform wie beim Violin Bass besonderen Sinn macht, damit sich der Gurt vor allem an der
Halterung am Halsansatz nicht unbeabsichtigt lösen kann. Der Zugang zum Halsspannstab wird von einem netten GuB-Deckelchen im
Duesenberg-typischen Art-deco-Stil verdeckt.
e l e k t r o n i k
Die Elektronik des Violin Basses arbeitet rein passiv. Beim Tonabnehmer handelt es sich um einen zweispuligen Humbucker, dem
durch eine trickreiche Schaltung interessante Sound-Varianten entlockt werden können. Neben Volumenregler und Tonblende steht
ein drittes Poti zur Verfügung, mit dem stufenlos von der seriellen Spulenschaltung zum Singlecoil-Betrieb Übergeblendet werden
kann. Ganz konventionell ist aber auch die Singlecoil-Schaltung nicht, weil hierbei nämlich nur die höheren Frequenzanteile der
stegnäheren Spule kurzgeschlossen werden. Dadurch ergibt sich auch beim »Singlecoil«-Sound eine solide Bassbasis.
h a n d h a b u n g
Am Gurt kann der Violin Bass nicht ohne Kopflastigkeit hängen, das ist wegen der Korpusform und der daraus resultierenden
Gurtbefestigung am Halsansatz nicht möglich. Aber störend wirkt sich dies wegen des geringen Gewichts des Instruments nicht aus,
solange man den rechten Unterarm auf die obere Korpuskante auflegt, was sich als entspannte Spielhaltung ja automatisch ergibt.
Der schlanke Hals liegt gut in der Hand, und die kurze Mensur macht es der Greifhand ja ohnehin leicht, auch schnellste Läufe
quer übers Griffbrett ohne Mühe auszuführen. Günstig auch für festere Gangart sind die erwachsenen Saitenabstände beim
Duesenberg, die am Steg 19 mm breit eingestellt sind.
k l a n g v e r h a l t e n
Für einen Fast-Vollresonanz-Bass verfügt der Duesenberg über eine erstaunlich leichte und direkte Tonansprache, auch das lange
Sustain ist sehr bemerkenswert! Das »fast« ist hier entscheidend, denn der kleine Holzblock unter der Brücke
stabilisiert den kleinen Hohlkorpus offenbar sehr wirkungsvoll und vermeidet auch andere Nachteile einer Hohlkorpus-Konstruktion.
So darf man es mit dem Verstärkerpegel sehr weit treiben. ohne dass die gefürchteten Rückkopplungen einsetzen - man kann den
Violin Bass praktisch genauso sorglos bis in hohe Lautstärken aufdrehen wie einen Bass mit Massivkorpus.
Akustisch ist zwar bei den tiefen Tönen ein Sirren wahrnehmbar, welches möglicherweise vom Steg herrührt. Allerdings ist davon
im Elektroton nichts zu hören. Das wendige Instrument lädt zu exaktem, druckstarkem Groove-Spiel ein und lässt auch flinke
Flitzereien mit Schwing- und Impulsfreude rüberkommen. Die akustische Tonkomponente bleibt dabei trotzdem nicht ganz auf der
Strecke und fügt dem gewogenen Duesenberg-Sound Wärme und kernige Prägnanz hinzu. Die Position des Tonabnehmers ist günstig
gewählt worden, und aufgrund der intelligenten Schaltung zeigt sich das Klangergebnis erstaunlich variabel. Die
Humbucker-Einstellung befördert den Akustik-Charakter im Ton offensiv und mit tragfähiger Basis, während am anderen Ende des
Überblend-Potis, in der »Singlecoll«-Einstellung, ein ausgesprochen sauberer und breitbandiger Klang abrufbar ist.
Dieser zeichnet sich durch fein gezeichnete, offene Brillanz und ein ebenso sattes, aber trockener formuliertes Bässefundament
wie in der Humbucker-Einstellung aus.
Begeisternd auch, dass hier bis zum tiefsten Ton auf der E-Saite keinerlei Druckabfall eintritt und von den Klang-Nachteilen,
die man gemeinhin einem Shortscale-Bass nachsagt, nicht das mindeste zu bemerken ist.
r e s ü m e e
Die tollen Klangeigenschaften des Violin Basses beweisen einwandfrei, dass Duesenberg hier nicht einfach die markante Form des
Höfner-Klassikers abgekupfert hat, sondern daraus ein sehr attraktives Instrument mit hohem Praxiswert entwickelt hat.
Hier passt alles perfekt zusammen, und wenn man berechtigterweise von einer Edelversion des »Beatle Basses«
spricht, bezieht sich das nicht nur auf die Optik, sondern garantiert auch auf das kerngesunde Klangpotenzial des Instruments!
P L U S
- Sound - Möglichkeiten, Klangverhalten
- Bespielbarkeit
- Verarbeitung . Ausstattung
M I N U S
- Akustisch wahrnehmbares Sirren bei tiefen Tönen
Ü B E R S I C H T
Fabrikat: Duesenberg
Modell: Violin Bass
Gerätetyp: Viersaitiger E-Bass mit Hohlkorpus
Herkunftsland: Deutschland
Mensur: 768 mm, Shortscale
Hals: eingeleimt; Ahorn mit Palisander-6riffbrett, 22 Bünde
Halsbreite: Sattel: 40 XII. Bund: 52 mm
Saitenabstände Steg: einstellbar Werkseinstellung 19 mm
Korpus: Sperrholz-Decke und -Boden mit Holzblock unter der Brücke
Oberflächen: Hochglanzlack
Tonabnehmer: passiv; 1x Humbucker
Elektronik: passiv
Bedienfeld: Volumen, Überblender "Singlecoll", Höhenblende
Mechaniken: verchromt; gekapselte Kluson-Stimm-Mechaniken, Brücke mit einzeln justierbaren Saitenreitern, Vintage-Saitenhalter, arretierbare Göldo-Gurthalter
Gewicht: ca. 3,2 kg
Vertrieb: Göldo, D-30171 Hannover
Preis: ca. EURO 125O,-
|
 |
 |
|